Philosophie


Nach einem Einführungskurs (EPh, 1. Hbj.) in die Grundformen des philosophischen Denkens und in die Arbeitsformen des Philosophieunterrichts in der Jahrgangsstufe EP.1, werden in den Folgekursen Problembereiche erarbeitet, die sich an den Grundfragen der Philosophie nach Immanuel Kant orientieren:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?

Diese drei Fragen münden ein in die vierte:

Was ist der Mensch?


Philosophie-Uebersicht



I. Unterrichtsziele

Der Philosophieunterricht zielt gemäß den Fachrichtlinien des Landes NRW (S. 7) darauf ab, die Schülerinnen und Schüler mit den verschiedenen Positionen, Problemstellungen, Problemlösungen aus der philosophischen Tradition und den Methoden des Faches vertraut zu machen.
Dazu sollen sie lernen, sich philosophische Texte selbständig zu erschließen, um so Freude an der Begegnung mit der Philosophie und die Fähigkeit zur argumentativen Auseinandersetzung mit ihr zu entwickeln.
Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler dadurch Klarheit über die verschiedenen, vielfältig wirksamen weltanschaulichen, wissenschaftlichen und religiösen Grundlagen von Deutungs- und Orientierungssystemen, von politischen und rechtlichen Ordnungen gewinnen.
Indem der Philosophieunterricht kulturinvariante Grundfragen der menschlichen Existenz, wie die Frage nach der menschlichen Freiheit, der Demokratie, den Menschenrechten, der Vernunftgeleitetheit menschlichen Handelns und der wissenschaftlichen Vernunft, formuliert und reflektiert, untersucht er auch die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Traditionen.



II. Unterrichtsinhalte


EP.1 Einführung in die Philosophie

Hier werden ausgehend vom Erfahrungs- und Interessenhorizont der Schülerinnen und Schüler ausgesuchte Teilbereiche der Rahmenthemen der Folgekurse thematisiert.
Formale und methodische Anforderungen:Intentionen und Dimensionen philosophischen Fragens
  • Grundformen philosophischen Denkens
  • Anleitung der Schülerinnen uns Schüler zu exaktem Denken und präziser Argumentation
  • Erarbeitung der Formen und Einübung der schriftlichen und mündlichen Arbeit im Philosophieunterricht
  • Hinweise auf Folgekurse

EP.2 Probleme der Bestimmung des Menschen (Philosophische Anthropologie)
  • Der Mensch als kulturbestimmtes und kulturbestimmendes Wesen
  • Der Mensch als Naturwesen
  • Der Mensch als erkennendes und denkendes Lebewesen, das metaphysische Fragen stellt

Q1.1 Probleme des menschlichen Handelns (Ethik)
  • Oberste Zwecke, Normen, Werte und Prinzipien des Handelns
  • Begründung und Rechtfertigung sittlich-praktischen Handelns
  • Freiheit und Determination
  • Angewandte Ethik

Q1.2 Probleme von Recht Staat und Gesellschaft (Rechts- und Staatsphilosophie)
  • Recht und Gerechtigkeit
  • Begründung und Rechtfertigung des Rechts, kritische Analyse von Rechtssystemen
  • Begründung, Rechtfertigung und kritische Analyse von politischen Ordnungen
  • Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Staat

Q2.1+2 Probleme der Wissenschaft (Wissenschaftstheorie)
  • Wissenschaftliche Verfahrensweisen
  • Der Objektivitätsanspruch wissenschaftlicher Erkenntnis
  • Wissenschaft und Weltbild

Anmerkung: Entsprechend den Richtlinien (S. 17) muss im Verlauf des Philosophieunterrichts von EP.1 bis Q1.2 mindestens einmal eine philosophische Ganzschrift bzw. ein längerer zusammenhängender Text kontinuierlich besprochen werden.



III. Unterrichtsmethoden

Das Einüben von Methoden ist auch ein emanzipatorisches Moment des Lernprozesses, da die Beherrschung der Methode die Selbstkontrolle des eigen Denkens ermöglicht (S. 15).
Unterrichtsmethodik in diesem Sinne umfasst im Fach Philosophie folgende Unterrichtsverfahren bzw. Unterrichtsformen:

a) Der textgebundene Philosophieunterricht (S. 30-32)
Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei schrittweise lernen, sich philosophische Texte selbständig zu erschließen, sie zu interpretieren und sich mit ihnen kritisch auseinander zu setzen.

b) Die frei Problem- und Sacherörterung (S. 32/33)
Hierbei geht es für die Schülerinnen und Schüler darum, zunehmend die Fähigkeit zum Zuhören, zum Eingehen auf Argumente anderer, zur Relativierung der eigenen Position und zur strukturierten, zielgerichteten Formulierung zu erwerben. Die Vermeidung vorschneller Wertungen sollte dabei das Bemühen um sachgerechte Kritik fördern.

c) Die Schriftlichkeit im Philosophieunterricht (S. 33/34)
Für die Schülerinnen und Schüler ist es in jedem Fall wichtig, dass sie lernen, ihre Gedanken in einer angemessenen Form darzustellen. Dabei kann auf die klassische Textinterpretation auf keinen Fall verzichtet werden.
Die Formen der Schriftlichkeit sind:
  • die schriftliche Interpretation philosophischer Texte
  • die Erstellung von Unterrichtsprotokollen
  • die Ausarbeitung von Referaten
  • die schriftliche Übung
  • die Facharbeit
Weitere mögliche Formen der Schriftlichkeit sind denkbar (S. 35/36).



IV. Fächerübergreifende / fächerverbindende Aspekte

Fächerübergreifender Unterricht hat seinen Platz zunächst im Philosophieunterricht selbst. In Gestalt von Exkursen oder der Reflexion fachlicher Fragestellungen, ihrer Plausibilität und Grenzen werden immer wieder Sichtweisen anderer Fächer in den Philosophieunterricht einbezogen.
Fächerverbindender Unterricht kann sich in allen Kurshalbjahren anbieten. Beispiele:
  • EP.2: Philosophische Anthropologie (Biologie, Religion, Kunst)
  • Q1.1: Ethik (Biologie, Religion)
  • Q1.2: Staats- und Rechtsphilosophie (Geschichte, Sozialwissenschaften u. a.)
  • Q2: Wissenschaftstheorie (Naturwissenschaften, Mathematik u. a.)


V. Evaluation

Die im Schulprogramm des IKG formulierten Erziehungsziele werden innerhalb der Halbjahreskurse mit den einzelnen Rahmenthemen angesprochen und aus philosophischer Sicht thematisiert.
Wer sich z.B. mit Fragen zum menschlichen Handeln (11.1) beschäftigt, muss sich zwangsläufig auch mit Problemkreisen, wie "Freiheit und Verantwortung" oder "Toleranz und friedliches Miteinander", gründlich auseinandersetzen und eigenes Handeln hinterfragen.
Genauso trägt die Reflexion der Probleme von Politik, Staat, Recht und Gesellschaft (11.2) sicherlich zu einer philosophischen Durchdringung der Grundwerte, wie Demokratie und Menschenrechte, bei, an denen sich der Erziehungsauftrag des IKG orientiert.
Erfolgreicher Philosophieunterricht wird sich also auch daran messen lassen müssen, inwieweit er seinen Beitrag zur Verwirklichung der dort formulierten Ziele leistet.


Immanuel Kant